Schade! Ein Frosch!

Sicher wird fast jede Frau im Laufe ihres Lebens einige Frösche küssen und dabei feststellen, dass die meisten auch Frösche bleiben und sich nicht in einen Traumprinzen verwandeln. Viele Frauen geraten dabei auch stets wieder an denselben Typ Mann – trotz aller Negativerfahrung mit „Fröschen“. Dabei scheint es so, als ob manche Geschlechtsgenossinnen mit Leichtigkeit immer den perfekten Deckel für ihren Topf finden, während andere fortlaufend „ins Weiche greifen“. Wie ungerecht. Schließlich findet jeder neue Ansatz, einen perfekten Partner zu finden, sein Ende in einer herben und schmerzhaften Enttäuschung. Es stellt sich hier die Frage, ob diese erfolglosen und enttäuschten Frauen wirklich das Pech gepachtet haben oder ob sie über ihr Verhalten den Männern gegenüber Signale setzen, die grundsätzlich immer zu einer Enttäuschung führen müssen. Manuela hat sich immer wieder und viel zu oft gesagt: „Ich will das nicht noch einmal erleben!“ Aber es hilft nichts. Das Prozedere wiederholt sich ständig aufs Neue und sie erlebt wieder eine Enttäuschung. „Ich glaube, ich wirke nur auf Männer anziehend, die eigentlich gar nicht zu mir passen – was läuft da schief? Ich habe keine Ahnung, was ich tun soll“ sagt die 33 Jahre alte Einzelhandelskauffrau. Manuelas Hauptproblem ist die fehlende Treue. „Meine vier letzten Partner haben mich allesamt betrogen – jetzt vertraue ich keinem Mann mehr, und dabei habe ich solche Sehnsucht nach einem netten und treuen Partner“ weiß Manuela zu berichten und empfindet sich als Opfer, denn Schuld sind aus ihrer Sicht nur die Männer. Viele Frauen – aber auch Männer – sehen sich in dieser Opferrolle, da sie ihr eigenes Verhalten nicht objektiv wahrnehmen und auch nicht beurteilen können. Manchmal dauert es sehr lange, bis sie die eigentliche Problematik erkennen, denn wir bevorzugen immer die eingefahrenen Wege. Manuelas Freundin Steffi sieht das nicht wie Manuela, sie sagt: „Manuela fliegt auf den gut aussehenden, netten, zuvorkommenden aber unsteten Typ, sie lernt auch nicht aus ihren Enttäuschungen. In der Regel hatte sie Partnerschaften mit bereits vergebenen Männern, so dass sie sich zunächst nicht in der Öffentlichkeit treffen konnten. Zum Schluss hat sie natürlich dasselbe erlebt wie ihre Vorgängerin. Sie hätte das ahnen können, denn von diesen Beziehungen nimmt man besser Abstand“ sagt Steffi, die nach all der Zeit für Manuelas Probleme kaum noch Verständnis aufbringen kann. Sicher ist ein Knackpunkt, dass die Menschen – egal ob Männer oder Frauen – in Beziehungen stets das suchen, was sie schon kennen, egal wie ungeeignet es eventuell ist, statt das zu wählen, was zu ihnen passt und ihnen gut tut. Mittlerweile haben sich sogar Psychologen dieses Problems angenommen und untersuchen das Verhalten von Frauen wie Manuela, die ständig aufs Neue den falschen Partner wählen. Beispielsweise beginnt Katja häufig Beziehungen mit Partnern, die mit ihr sehr arrogant umgehen. Warum ist das so? Warum lässt Hanna zu, dass sie ständig von Männern verprügelt wird? Wieso ist es so kompliziert, diese eingefahrenen Strukturen aufzubrechen? Häufig lassen sich für diese massiven Probleme Gründe in der frühesten Kindheit finden. Gerade im Alter bis etwa drei Jahren werden wir von Enttäuschungen und negativen Erfahrungen so stark beeinflusst, dass sich unbemerkt im Unterbewusstsein Ängste entwickeln und festsetzen. Das Ergebnis sind gerade die zuvor beschriebenen falschen Verhaltensweisen, durch die wir uns in Sachen Partnerschaft selbst im Weg stehen. Neuer Mann – altes Beziehungsmuster. Isabella kann ein Lied davon singen, wie schwierig das ist. Sie ist Versicherungskauffrau und stellt fest, dass sich die gleichen negativen Vorgänge immer wieder wiederholen, nur immer mit einem anderen Mann. „Das war oft wie ein Déjà-vu, es war, als säße ich immer wieder im selben Film!“ Isabelle wird in ihren Partnerschaften immer wieder mit völlig abwegigen Vorwürfen bedacht, wie etwa sie sei untreu. Sie stellt fest: „Zu Beginn fand ich es toll, dass ein Mann mir so viel Aufmerksamkeit schenkt und ich dachte, es sei die große Liebe, wenn mein Freund schon eifersüchtig wurde, wenn mich ein potenzieller Konkurrent nur ansprach. Ich hatte immer eine Schwäche für Machos und starke Partner, sicher hatte ich das Bedürfnis nach viel Schutz. Allerdings wollten mich diese Männer immer nur besitzen.“ Diese Analyse ihres Verhaltens endet mit der Feststellung, das die bei allen Beziehungen zunächst anscheinend schmeichelnden Verhaltensweisen der Männer irgendwann einfach nicht mehr zu ertragen waren und in Kontrollsucht – auch Anrufe auf der Arbeit – und großes Misstrauen führten bis hin zum ständigen Hinterherspionieren. Erst als Isabelle an ihre persönlichen Grenzen stieß, war sie in der Lage, wahrzunehmen, dass das Problem bei ihr lag und sie daran etwas ändern musste. Sie erzählt: „Meine letzte Beziehung mit Peter gipfelte darin, dass er, als ich etwas später als verabredet nach Hause kam, weil es mit meiner Freundin im Café so schön war, total austickte. Er war fest davon überzeugt, dass ich eine Affäre mit einem Mann hatte und alle Versuche, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, ließen das Ganze nur weiter eskalieren – am Ende hat er mich verprügelt“ sagt die 43-jährige. Sogar für Isabella ging das zu weit: „Schlagartig wurde mir bewusst, was da ablief, und dass ich mir das nicht gefallen lassen muss. Ich habe gehandelt und mit Peter Schluss gemacht.“ Jetzt muss ich mich meinen Problemen stellen, aber ich sehe das als neuen Anfang, obwohl es ein langer Weg ist, die bisherigen Verhaltensmuster aufzubrechen. Gerade bei ungelösten inneren Konflikten, die die Basis aller Probleme darstellen, ist es schwierig, diesen neuen Weg aufrechtzuerhalten. Nach den zahlreichen Enttäuschungen hat Isabella nun den Entschluss gefasst, das Problem anzugehen. „Ich bin zu der Ansicht gekommen, dass die Wahl meines Partners mit einem Problem in meiner Kindheit zu tun hat, denn ich hatte immer das Gefühl, dass mein Vater mich nicht liebt“ erzählt sie. „Am Anfang habe ich das nicht so ernst genommen, aber mittlerweile denke ich, das dieses Problem meiner Kindheit die Ursache meiner Beziehungsmuster ist. Ich dachte immer, dass ich meinem Vater egal bin und er mich nicht lieb hat – gleich, was ich tat: Stets begegnete er mir mit Gleichgültigkeit. So suchte ich mir immer Partner, die mir ganz klar zeigten, dass ich ihnen sehr wichtig bin – auch wenn dies über Eifersucht und Kontrollzwang ablief. Auf lange Sicht funktioniert das aber nicht.“ Sicher ist es leichter, wenn man die Schuld an seinen Problemen anderen zuschieben kann und sich in einer Opferrolle sieht – von Partnern, äußeren Bedingungen und Schicksal gebeutelt. Es ist klar, dass sich Probleme so nicht lösen lassen. Äußerlich ist Julia eine sehr starke Persönlichkeit, die immer klar darstellt, was sie möchte. Sie wurde – wie so oft – letztes Jahr von ihrem Partner verlassen. „Ich bin am Ende und rätsele, warum ich dauernd den Verkehrten Typen erwische. Jeder meiner Partner mutierte früher oder später zu einem Menschen, der Panik vor einer intensiven Beziehung hat. Das Leben ist nicht fair zu mir und ich weiß nicht, warum stets ich es bin, die das durchmachen muss“ sagt die Juristin. Julia hat das Problem daraufhin analysiert und sieht die Ursache bei sich: „Nach endlosen Diskussionen mit Freundinnen und auch mit meiner Mutter wurde mir klar, dass ich mit meinem Verhaltensmuster einen großen Anteil an den zahllosen gescheiterten Beziehungen hatte. Es lag nicht an den Partnern – sie waren keine Beziehungsmuffel. Es war vielmehr so, dass ich ihnen die Luft genommen und sie totgeliebt habe.“ Diese Schwierigkeiten muss man wahrnehmen lernen, letztlich untersuchte Julia ihre früheren Partnerschaften nach den Rollen der beiden Partner und den Gefühlen, Problemen und Stressfaktoren. „Aus der Analyse meiner Beziehungen und meines Verhaltens habe ich viel über mich herausgefunden – ich weiß nun, dass ich den Mann immer in meiner Nähe haben wollte, weil ich mich davor gefürchtet habe, dass er mich verlässt. Ich hatte Angst, dass ich ihn andernfalls verlieren könnte. Es ist schade, dass mir erst heute bewusst geworden ist, dass ich durch dieses erdrückende Verhalten alles zerstört hatte“ erklärt Julia. Jetzt ist die 34-jährige wieder in der Lage, eine Partnerschaft aufzubauen, aber nur mit dem perfekten Partner, den sie sich wünscht. Um nicht wieder in die alte Rolle zu verfallen, hat Julia sich vorgenommen, sich die früheren Muster ständig bewusst zu machen und die Probleme früh wahrzunehmen, damit sie nicht die alten Muster wiederholt. Das könnte vielleicht funktionieren, denn ein bekanntes Problem ist bekanntlich nur ein halbes Problem, weil man bewusst gegensteuern kann. Man muss in schwierigen Situationen einfach ganz bewusst wahrnehmen, was passiert, und entsprechend reagieren. Das klingt zwar gut, aber es Wirklichkeit werden zu lassen ist ungleich schwieriger. Insbesondere wenn Gefühle im Spiel sind, kann man sein Verhalten nur schlecht steuern. Trotzdem sollte man nicht einfach jede Beziehung unkontrolliert zulassen, wie Simone das zu tun pflegt. „Ich bin ganz schnell verliebt. Wenn ich einen potenziellen Partner sehr mag, dann möchte ich ihn auch besitzen. Dabei habe ich meist die Partner ausgewählt, mit denen es bestimmt Schwierigkeiten geben würde. Meine romantischen Ideen von einem Macho, der sich immer durchsetzt und ein echter harter Kerl ist waren da wohl maßgebend“ sagt die 26-jährige. Simone erzählt: „ich bin über meine innere Stimme einfach hinweggegangen – völlig egal, wie laut sie geschrien hat – denn ich war total hin und weg und wollte den Mann einfach nur besitzen. Schon bald habe ich aber gemerkt, dass gerade die Machotypen für eine gute Partnerschaft nicht das Richtige sind und dass sie immer nur ihren Willen durchsetzen wollen. Es ist logisch, dass das nicht funktionieren konnte und dass ich nachher immer sehr enttäuscht war.“ Mittlerweile weiß auch Simone, dass sie daran nicht ganz unschuldig ist: „Ich habe – ohne es zu wollen – immer nach einem Partner gesucht, der so ist, wie ich gerne sein möchte, nämlich stark und mit Durchsetzungsvermögen.“ Simone ist kein Einzelfall. Wir wollen immer genau das haben, was wir bei uns selbst vermissen und häufig ist das eben eine Eigenschaft wie Coolness oder Konfliktbereitschaft. Im Prinzip wäre ja nichts dagegen einzuwenden, aber der Mann, der diese gewünschten Eigenschaften besitzt, verfügt häufig auch über weniger gewünschte Charakterzüge. Letztlich können wir dies nur durch analysieren und geeignetes Verändern unserer Wünsche und Bedürfnisse – also durch Ändern unseres Wesens – verbessern. Das bedeutet letztlich, dass wir unsere Defizite ausgleichen müssen und so auch ein inneres Gleichgewicht erreichen, was die Basis für jede ausgewogene und glückliche Beziehung darstellt. Die Wahl des Partners wird nicht zuletzt auch von negativen Erlebnissen in Kindertagen, persönlichen Unzulänglichkeiten und innerem Ungleichgewicht geprägt, so dass es einleuchtet, warum kaum jemand direkt den Wunschpartner findet. Trotzdem können auch negative Erlebnisse dazu führen, dass wir aus ihnen lernen und uns bezüglich Partnerschaft und Beziehungskonflikten verbessern. Allerdings sollte man aufmerksam sein und sich auf jeden Fall selbst analysieren, wenn man trotz allem stets Enttäuschungen erlebt und den richtigen Partner einfach nicht finden kann. Es ist zwar bekannt, dass die Liebe manchmal recht eigenwillige Wege geht und man sie praktisch nicht steuern kann, aber ganz ohne den Intellekt – immer nur mit dem Herzen oder aus dem Bauch heraus – sollten wir nichts entscheiden. Dann haben wir eine richtig gute Chance, den Traummann zu finden und können aufhören, Frösche zu küssen.